Ein kleiner Fund ! 124 Jahre alter Jägerhut?
Published on HivePostify by @charlissy · Wed Jun 17 2026
Guten Abend allerseits, Neuerdings habe ich einen erstaunlichen Fund getan, der auf dem ersten Blick gar nicht so aussah:
Ich habe ihn irgendwo in der verdreckten und spinnenweben-verwobenen Ecke gefunden. Unscheinlich und verstaubt stand er da.
Wie ich annehme, könnte es ein Jägerhut sein. Der Stoff hat sich sehr gut erhalten über die Jahre. Ich nehme an, es besteht aus Wolle, die verfilzt wurde.
Der Hut weist kaum Mängel auf, außer vorne am Bund ist eine Lücke, wo etwas dran genäht war. Da hingen abgerissenen Fäden heraus, die ich wegstutzte. Sowie 3 kleine gelbe Flecken an der Hutinnenseite, die kaum bemerkbar sind ohne Taschenlampe.
Und der Faden in der Hutinnenseite war bereits morsch und riss ab, sodass ich einen halben Kreis daran genäht habe. Dabei ist mir dieser markantes Schriftzug aufgefallen:
Höchst interessant :) Ich hab kurz mal im Internet geforscht, was man unter der Schrift findet. Erstmals habe ich den Unterschied suchen müssen vom Hoflieferant und den Kammerlieferant, da wenn ich "Kammerlieferant" in der Suchleiste eingebe, nur Hoflieferant rauskommt.
Das ganze spielt sich also gerade in der österreichischen Historie ab: Den Jahren zu Folge wurde der Hut vermutlich 1902, während der Kaiserzeit, angefertigt. Ein Hoflieferant ist seinem Namen gerecht und war eine Auszeichnung des Wiener Hofes, dorthin die Ware liefern zu dürfen. Damit war es ein Händler oder Dienstleister (ab 1911 auch Unternehmer), ob nun Klavierfabrikanten, Buchhändler und Elektriker, Bäcker, sowie Juwelier, Optiker und Herrenausstatter. Der Titel etablierte sich ab 1782. Allerdings musste es nicht sein, dass der Hof auch wirklich bei genau den Gewerben mit der Auszeichnung des Hoflieferanten auch bestellen. Besondere Rechte bzw Vorzüge hatten sie auch nicht.
Um den Titel des k. k. (kaiserlicher und königlicher) Hoflieferant zu erhalten, mussten sie den Obersthofmeister aufsuchen, vorstellen und ein gewisses Ansehen erlangen, ob denn der Anfragende auch würdig dafür ist. Natürlich war es vom Vorteil, wenn derjenige bereits ausländische Handelsbeziehungen pflegt, also somit auch hochwertige Ware importieren kann für exotische Anfertigungen. Zudem wurde Steuerfreiheit gewährt bei importierte Ware an den Hof. Gleichzeitig ist es vorteilhaft, wenn sie sich in Gewerbeausstellungen engagieren. Natürlich wurde der Hintergrund des Ansuchenden durchleutet und der Obersthofmeister erkundigte sich bei der Polizei und der Handels- und Gewerbekammer. Wenn die Hürden bis dahin erfolgreich gemeistert wurden, fehlt nur noch die Gebühr für den Titel zu zahlen. Danach durften sie sich k. k. Hoflieferanten nennen (und dies dann auch in ihren Anfertigungen mit einbringen).
Nun kommen wir zum wirklich interessanten: Denn der Kammerlieferant ist eine Steigerung zum Hoflieferanten ! Kammerlieferanten waren für den persönlichen Bedarf der Familienmitglieder zuständig. Also wenn ich das nun richtig verstehe:
Kammerlieferant ihrer K. und K. Hoheiten der Durchl. Herren Erzherzoge, Franz Ferdinand von Österr. D'este Carl Stefan und Carl Albrecht
Unter dem Namen "Constantin Zwirzina" konnte ich leider nichts finden.
Also schlussfolgere ich dieser Constantin war zuständig für die 3 genannten Herren ? Was sagt ihr dazu? :o Könnte es vielleicht auch etwas wert sein? Ist ja immerhin mittlerweile 124 Jahre alt...
Fun Fact, Hoflieferanten gab es auch in anderen Ländern wie USA und Japan. In Wien allein waren am Ende der Monarchie 500 Hoflieferanten und weltweit über 1.000. Anderswo wird die Gesamtzahln aller Unternehmen auf 2500 geschätzt.
Da frag ich mich, ob diese Länder dann nicht auch ein Stück des Rechtssystems übernommen haben, dass sie ja dann auch den selben Titel mit der selben "Ehre" führen dürfen ?
Ich hatte ja angedacht den Hut meinem Vater zu schenken. Doch ob er dann so ehrwürdig ist diesen auch zu tragen?
Ein weiteren kleiner Fund habe ich entdeckt:
und hineingekrochen. Der Eingang war schon zugeschüttet mit Sand, sodass man schon ein paar Meter auf feuchten Sand runter stapfte. Draußen war es ein sehr heißer sonniger Tag und dann war es darin extrem kühl.
Ein kleiner Tunnel zeigte sich, bis es nicht weiterging. Es wurde zugeschüttet :)
Sieht aus wie ein Gang. Die Breite des langen Raumes ist nämlich so schmal, dass es ungeeignet für Weinlagerung wäre.
Bis bald ! charlissy
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