Neues Lehrjahr, neue Gesichter – wie wir unsere Werker in der Ankommensphase kennenlernen

Published on HivePostify by @gartenwerker · Fri Sep 04 2026

Seit Anfang September ist bei uns ein neues Lehrjahr gestartet – neue Gesichter, neue Geschichten, und für mich als Ausbilder wieder der Moment, an dem alles von vorne beginnt: Ich kenne diese Menschen noch nicht, und sie kennen weder mich noch unseren Betrieb.

Was die neuen Werker mitbringen -------------------------------

Jede Gruppe, die bei uns startet, ist anders zusammengesetzt – aber ein paar Themen tauchen immer wieder auf. In diesem Lehrjahr sind es vor allem drei Bereiche, mit denen unsere neuen Gartenbau-Werker in unterschiedlicher Ausprägung zu uns kommen: Lernschwierigkeiten und kognitive Einschränkungen, psychische Erkrankungen sowie sprachliche und soziale Barrieren.

Wichtig ist mir dabei: Das sind keine Etiketten, die an einer Person kleben bleiben, sondern Ausgangspunkte. Manche brauchen mehr Zeit beim Lesen und Rechnen, andere haben mit Ängsten oder mit den Nachwirkungen schwieriger Lebensphasen zu kämpfen, wieder andere sprechen erst seit Kurzem Deutsch oder mussten bisher wenig Gelegenheit haben, sich in einem geregelten Arbeitsalltag zu beweisen. Genau deshalb schauen wir uns jeden Menschen einzeln an, bevor wir mit der eigentlichen Ausbildung loslegen.

Die Ankommensphase – bevor es an die Beete geht -----------------------------------------------

Bevor irgendjemand bei uns eine Schere oder einen Spaten in die Hand nimmt, steht die sogenannte Ankommensphase. Der Name ist Programm: Es geht darum, dass die neuen Werker erst einmal im Betrieb und in der Gruppe ankommen – und dass wir als Ausbilder herausfinden, wo jede und jeder einzelne tatsächlich steht.

Das ist kein Selbstzweck. Alles, was wir in dieser Phase über die Stärken und Unterstützungsbedarfe eines Menschen erfahren, fließt direkt in die individuelle Förderplanung ein. Nur wenn ich weiß, womit ich es zu tun habe, kann ich die Ausbildung so gestalten, dass sie wirklich zu der Person passt – statt alle über einen Kamm zu scheren.

Das Testverfahren: vier Bereiche, mehrere Tage ----------------------------------------------

Konkret läuft das bei uns über schriftliche Einzeltests, die sich über mehrere Tage verteilen – bewusst nicht alles an einem Stück, damit niemand überfordert wird. Getestet werden vier Bereiche:

Allgemeinbildung – ein Überblick darüber, mit welchem Grundwissen jemand startet.

Mathematik – von Grundrechenarten bis zu einfachen Anwendungsaufgaben, wie sie später auch im Beruf vorkommen (Maße, Mengen, Materialbedarf).

Deutsch – Lese- und Schreibfähigkeiten, die im weiteren Verlauf für Berichtshefte, Arbeitsanweisungen und die Berufsschule wichtig werden.

Geschick – handwerkliche und motorische Fähigkeiten, die im Garten- und Landschaftsbau später täglich gefragt sind.

Jeder Test wird einzeln durchgeführt und ausgewertet, nicht als Gruppenprüfung. Das nimmt Druck raus und gibt uns gleichzeitig ein ehrlicheres Bild, weil niemand sich an anderen orientieren oder mit ihnen vergleichen muss. Am Ende steht kein "bestanden" oder "durchgefallen" – die Ergebnisse sind schlicht die Grundlage dafür, wie die individuelle Förderung in den nächsten Wochen und Monaten aussieht.

Warum mir das wichtig ist -------------------------

Diese ersten Tage und Wochen entscheiden oft mit darüber, wie viel Vertrauen jemand in die eigene Ausbildung fasst. Wer merkt, dass seine Schwächen nicht bewertet, sondern einfach zur Kenntnis genommen werden, um darauf aufzubauen, startet ganz anders in die nächsten drei Jahre als jemand, der sich von Anfang an unter Druck fühlt.

Wie beim letzten Mal an dieser Stelle: Ich schreibe hier bewusst allgemein über Themen und Verfahren, nicht über einzelne Personen. Reale Reha-Teilnehmer bleiben hier draußen – ohne Namen, ohne erkennbare Details.

Fazit -----

Ein neues Lehrjahr bedeutet für mich jedes Mal wieder: hinschauen, zuhören, testen – und dann erst planen. Die Ankommensphase ist der Grundstein für alles, was danach kommt. Ich bin gespannt, wie sich diese neue Gruppe entwickelt, und werde hier weiter berichten, sobald es aus dem Alltag etwas zu erzählen gibt.

Dieser Artikel wurde von Gartenwerker erstellt. Danke fürs Lesen!

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