Durov über Telegram und Meinungsfreiheit
Published on HivePostify by @revolwritings · Tue Sep 01 2026
Vor einer Woche meldete sich Pavel Durov, der Gründer von Telegram in seinem dortigen Kanal zu Wort. Zwei Jahre sei es nun her, dass er in Frankreich festgenommen wurde. Für ihn ist klar: Dabei handelte es sich um eine politisch motivierte Festnahme.
Viele werden es noch in Erinnerung haben, als Durov in Frankreich festgenommen wurde. Schließlich ist er der Gründer dessen, was die großen bürgerlichen Medien in Deutschland und darüber hinaus als den Feind ihres Staates, ihres Systems, ja Der Demokratie, ansehen: Der Messanger Telegram.
Durov bringt eine doppelte, ja in meinen Augen teils widersprüchliche Verteidigung hervor: Zum einen sei Telegram "nicht das schlechteste [Beispiel] bei der Kooperation mit den Behörden", als sei man stolz darauf, mit den Repressionsbehörden zusammenzuarbeiten. Im nächsten Atemzug fährt der Informatiker fort, indem er seine Verhaftung auf die politische Unerpresslichkeit Telegrams zurückführt. Da Telegram eben nicht willkürlich alles zensiere, was den Regierungen nicht gefällt, sei er festgenommen worden.
Auch wenn es scheint als hätte Durov sich in seiner eigenen Verteidigung verirrt, steht fest, dass Telegram tatsächlich bekannt ist als eine Plattform, welche freieren Meinungsaustausch ermöglicht als andere Plattformen. Der bittere Beigeschmack der Aussage, dass Telegram besser mit Behörden kooperiere als manch andere Plattformen bleibt allerdings.
Telegram ist ein Messanger mit so einer Reichhaltigkeit an Funktionen wie kaum ein anderer. Die User-Experience ist unschlagbar. Sticker, Sprach- und Videoanrufe, Bots und vieles mehr bieten ziemlich übersichtlich alles was man sich wünschen kann. Aber eine App, die standardmäßig alle Chats unverschlüsselt lässt – und Verschlüsselung ist ohnehin nur unter starken Einbußen in der User-Experience und nur in Einzelchats, nicht aber in Gruppen möglich – geht gegen jede Konvention der heutigen Kommunikationsgrundsätze über das Internet.
Durov liegt gewiss nicht falsch, wenn er feststellt, dass die westlichen Staaten ganz aggressiv ihre Interessen über die Social-Media-Plattformen durchzusetzen versuchen. Darauf lassen sich auch regelmäßige Diskussionen zu Verboten von TikTok und ähnlichem zurückführen. Aber das Bollwerk der Meinungsfreiheit gegen eine angebliche Meinungsdiktatur, wie Durov es teilweise darstellen will, ist Telegram sicherlich nicht – Und ist auch meilenweit davon entfernt.
Sichere Kommunikation im Internet ist ein komplexes Thema. Privatssphäre, User-Experience, Sicherheit scheinen immer Dinge zu sein, die man gegeneinander abwägen muss. Ob sich diese Abwägung irgendwann aufhebt ist schwer zu sagen. Open-Source und dezentrale Netze werden sicherlich die einzige Möglichkeit hierfür sein. An dieser Stelle sei noch kurz auf i2p verwiesen. Die User-Experience bekommt hier sicherlich keine 5 Sterne. Dafür ist der Datenschutz bei richtiger Nutzung überragend. Solche Systeme weiterzuentwickeln braucht Manpower, Ausdauer, oft auch Geld. Was eine solche Investition am Ende allerdings bewirken kann, sehen wir am Beispiel von Linux.
Das darf ruhig als ein Aufruf verstanden werden, sich aktiv in bestehende Open-Source-Projekte einzubringen, neue zu starten, den Quellcode eigener Software den man eventuell momentan noch unter Verschluss hält zu veröffentlichen, oder, wenn man wenig Ahnung von Coding hat: Ideen in den Äther blasen, die dann eventuell von anderen aufgeschnappt werden, die ein Interesse haben, diese quelloffen umzusetzen. Die Devise des Tages heißt: Schlagt den Feind, wo auch immer er steht, mit Transparenz, Vertrauen, Zusammenhalt. PostgreSQL hat MySQL verdrängt, Linux verdrängt aktuell Windows – wir dürfen hier nicht Halt machen, sondern müssen diesen Prozess aktiv unterstützen.
Weiterlesen: Durov auf Telegram: https://t.me/durov/544 i2p: https://i2p.net/de/ 35 Jahre Linux: https://www.jungewelt.de/artikel/528907.software-happy-birthday-tux.html
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