Vielleicht muss nicht alles ein Ziel haben
Published on HivePostify by @vanje · Mon Aug 31 2026
A personal reflection on Hive, the people and thoughts I encountered along the way, and the question of what place I want to give it in my life.
Manchmal muss man ein Stück gehen, bevor sich der Blick klärt. Und manchmal steht plötzlich die Sonne im Gesicht – und alles fügt sich zu einem Bild. Bild: OpenAI; @vanje
[Welchen Platz hat Hive für mich noch?](https://peakd.com/hive-121566/@vanje/welchen-platz-hat-hive-fur-mich-noch)
Vor ein paar Tagen habe ich diese Frage gestellt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich mir damit selbst eine Antwort geben würde.
Stattdessen habe ich inzwischen eher das Gefühl, dass ich eine ganze Reihe neuer Fragen bekommen habe. Das war nicht unbedingt der Plan. Aber vielleicht war genau das der interessante Teil.
Deshalb zunächst einmal ein Dankeschön an alle, die sich die Zeit genommen haben, ihre Gedanken mit mir zu teilen. @jaki01 mit seiner durchaus kritischen Sicht auf Hive als Investment, @schmidi mit dem Gedanken an einen offenen und sachlichen Austausch, @w74 mit seinem „Chalet Hive“ und dem Blick des Gastes auf das Angebot und die Küche. Dazu die anderen Stimmen, die jeweils ihren eigenen Blickwinkel eingebracht haben. Aber es waren nicht nur die Kommentare unter meinem Beitrag. Auch einzelne Posts, die ich in den vergangenen Tagen gelesen habe, haben meinen Blick auf manche Menschen und Dinge verändert. Manchmal bestätigt sich ein Eindruck, manchmal entsteht ein neuer. Und manchmal stellt man fest, dass hinter einem Namen doch mehr steckt, als man bisher gesehen hat.
Ich habe die Kommentare gelesen, manche mehrfach. Unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Erfahrungen und teilweise ziemlich gegensätzliche Sichtweisen. Genau deshalb möchte ich auch nicht auf jeden einzelnen Gedanken eingehen. Einige davon sind mir allerdings im Kopf geblieben und haben meine eigene Betrachtung verändert.
Was bringt mir Hive eigentlich noch?
Die naheliegende Antwort wäre, auf die Rewards zu schauen. Auf HIVE, HBD, Power, Kurse und die verschiedenen Möglichkeiten, daraus etwas zu machen. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger scheint mir das meine eigentliche Frage zu sein.
Ich habe irgendwann angefangen, Hive anders zu betrachten. Nicht mehr nur als Plattform, auf der ich Inhalte veröffentliche, sondern als einen Ort, an dem ich Dinge ausprobieren, festhalten und mit anderen Menschen teilen kann. Meine Reisen, Fotos, Gedanken und manchmal auch einfach einen Moment, den ich nicht verlieren möchte.
Vielleicht ist das der Grund, warum mich auch neue Anwendungen wie [XPLpic](https://xplpic.com/) interessieren. Dort kann ein Foto einfach ein Foto sein. Kein langer Text, kein Zwang, aus jedem Erlebnis eine Geschichte zu machen. Und wenn eine solche Anwendung gleichzeitig über Web2 erreichbar ist, muss jemand zunächst nicht einmal wissen, dass dahinter Hive steckt. https://peakd.com/hive-122908/@rishi556/introducing-xplpic https://peakd.com/hive-121566/@vanje/what-could-make-people-want-to-use-hive-was-konnte-menschen-dazu-bringen-hive-nutzen-zu-wollen-ende
Das finde ich spannend. Vielleicht muss Hive gar nicht immer im Vordergrund stehen, um einen Wert zu haben.
Interessant ist nicht automatisch attraktiv
Gleichzeitig hat die Diskussion auch die andere Seite sichtbar gemacht.
Hive kann interessant sein, ohne automatisch attraktiv zu sein.
Es gibt gute Ideen, engagierte Menschen und interessante Projekte. Aber es gibt eben auch Dinge, die mich nachdenklich machen. Die 13 Wochen Power-Down beispielsweise stören mich persönlich weniger, als es bei anderen der Fall ist. Ich habe selbst schon einmal heruntergefahren und meine Meinung später wieder geändert.
Aber die Diskussion darüber hat mir eine andere Frage gestellt:
Sollte ein attraktives System darauf angewiesen sein, dass Menschen ihr Kapital freiwillig für 13 Wochen einfrieren, um einen Grund zum Bleiben zu haben?
Vielleicht nicht. Und vielleicht ist das auch eine Frage, die sich nicht nur auf den Power-Down übertragen lässt.
Kuration – und die Frage nach dem Warum
Auch die Frage der Kuration hat sich für mich verändert.
Ein Vote kann Wertschätzung sein. Für mich ist er inzwischen weniger eine Belohnung als ein kleines Zeichen: Ich habe deinen Gedanken gelesen, er hat bei mir etwas ausgelöst und ich möchte ihn unterstützen.
Aber wo beginnt daraus ein Anreiz zu werden?
Wenn nicht mehr der Inhalt entscheidend ist, sondern beispielsweise das Frontend, über das er veröffentlicht wurde? https://peakd.com/curation/@acidyo/focused-curation
Ich habe keine endgültige Antwort darauf. Aber ich glaube inzwischen, dass es sich lohnt, diese Grenze überhaupt wahrzunehmen. Denn vielleicht ist Kuration nicht nur die Frage „Was gefällt mir?“, sondern auch „Warum möchte ich genau das unterstützen?“
Und vielleicht interessiert mich inzwischen auch gar nicht mehr so sehr, ob ein Gedanke Zustimmung bekommt. Spannender ist, was passiert, wenn er bei jemand anderem etwas auslöst und von dort aus weitergeht.
Manchmal bedeutet Wertschätzung für mich deshalb inzwischen sogar, einen Gedanken einfach stehen zu lassen. Nicht jeder Kommentar braucht sofort eine Antwort. Manchmal ist es interessanter zu sehen, was aus einem Gedanken wird, wenn man ihm etwas Raum lässt.
Was bekomme ich – und was möchte ich geben?
Eine weitere Sache ist mir in den letzten Tagen aufgefallen. Ich habe angefangen, Hive nicht mehr nur danach zu beurteilen, was ich bekomme, sondern auch danach, was ich dort einbringen möchte. Das kann ganz klein anfangen. Ein Kommentar. Ein Vote. Ein Gedanke, den man mit anderen teilt.
Es kann aber auch irgendwann die Frage entstehen, ob man selbst etwas dazu beitragen möchte, dass das System überhaupt weiterbestehen kann.
Eine Witness-Node aufzusetzen war bei mir einmal so ein Gedanke. Nicht, weil ich damit unbedingt Geld verdienen wollte, sondern eher aus dem Gedanken heraus: Wenn mir etwas wichtig ist, möchte ich vielleicht auch einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es nicht irgendwann einfach verschwindet.
Gleichzeitig habe ich dabei gemerkt, dass auch dieser Gedanke Grenzen hat. https://peakd.com/hive-121566/@vanje/re-stayoutoftherz-tkitvs
Vielleicht ist das gar kein Widerspruch. Vielleicht muss nicht jede Beteiligung unmittelbar rentabel sein. Aber sie sollte für mich einen Wert haben.
Und damit kommt noch eine andere Frage hinzu: Was passiert eigentlich mit meiner eigenen Sichtweise, wenn mein Stake größer wird? Natürlich bedeutet mehr HP auch mehr Einfluss und Sichtbarkeit. Aber will ich überhaupt sichtbarer werden?
Je mehr eigenes Kapital in einem System steckt, desto schwieriger könnte es auch werden, völlig unbefangen darauf zu schauen. Man möchte die eigene Investition schützen. Vielleicht möchte man, dass sie sich rentiert. Und möglicherweise verändert das sogar unbewusst die Art, wie man bestimmte Entwicklungen bewertet.
Das muss nicht zwangsläufig so sein. Aber ich finde die Frage interessant:
Bewerte ich gerade das System – oder meine eigene Entscheidung, darin investiert zu sein?
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich für mich noch gar nicht entscheiden möchte, wie groß mein Platz innerhalb von Hive sein soll.
Gast im Chalet oder doch etwas mehr?
Interessant fand ich dabei auch Wolframs Blick auf das „Chalet Hive“. Teil 1 - Annäherung: https://peakd.com/hive-121566/@w74/ein-besuch-im-chalet-hive Teil 2 - Abschließende Episode: https://peakd.com/hive-121566/@w74/butter-bei-die-fische
Er betrachtet Hive als Gast. Er möchte wissen, ob ihm das Angebot gut genug gefällt, um wiederzukommen. Innovation, Eigenständigkeit, Qualität und letztlich auch die Frage, ob das, was innerhalb des Chalets passiert, irgendwann außerhalb wahrgenommen wird.
Ich betrachte den gleichen Ort inzwischen etwas anders. Vielleicht bin ich nicht nur Gast. Vielleicht bin ich manchmal Koch, manchmal Gast und manchmal sitze ich einfach irgendwo herum und beobachte, was passiert. 😄 Und vielleicht muss ich mich auch gar nicht für eine dieser Rollen entscheiden.
Vielleicht muss Hive gar nicht alles sein
Was mir aus der ganzen Diskussion am stärksten geblieben ist, ist deshalb eine ziemlich einfache Erkenntnis:
Hive muss für mich nicht alles sein.
Es muss weder meine wichtigste Plattform sein, noch meine größte Investition, noch mein nächstes großes Projekt. Vielleicht darf es einfach einen Platz bekommen, der zu dem passt, was ich dort tatsächlich finde. Menschen. Gedanken. Erinnerungen. Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren. Und manchmal auch einen Anlass, über mich selbst nachzudenken.
Vielleicht geht es also gar nicht nur darum, welchen Nutzen Hive für mich hat. Vielleicht geht es auch darum, welchen Nutzen ich darin überhaupt noch suche – und welchen Wert ich selbst bereit bin, ihm zu geben. Vielleicht ist Hive für mich deshalb gar nicht so sehr ein Ort, an dem ich etwas erreichen muss.
Vielleicht ist es eher ein Trainingsgerät, an dem ich gerade lerne, welchen Wert ich Dingen und Menschen geben möchte – und welchen Einfluss ich dabei überhaupt noch steuern will.
Ob dieser Platz am Ende groß oder klein sein wird, lasse ich bewusst offen. Denn genau das wollte ich mit meiner ursprünglichen Frage eigentlich herausfinden. Und jetzt habe ich zumindest eine bessere Vorstellung davon, wonach ich suchen muss.
Vielleicht war das bereits die wichtigere Erkenntnis.
Tags: #deutsch#hive#community#hivecommunity#hiveecosystem#thoughts#reflection